Gebräuchliche Waffen im 15. bis 18. Jahrhundert 

Die Armbrust

Die ureigene Waffe der Gründer unserer Eidgenossenschaft von 1291 war auch zur Zeit der Gründung des Schiessvereins noch aktuell. Sie war allerdings im Laufe der Zeit weiterentwickelt und immer wieder verbessert worden.

Das von Hans Zulliger verfasste Gedicht über den Sinn der Waffe sei deshalb an dieser Stelle eingefügt:

Tell

Wenn sicher nicht mehr ist das Herz im Leib,

der Herd, das Vaterland und Kind und Weib,

Wenn Friede barst und hohnlacht die Gewa1t,

kein Gott, kein Teufel ihr gebietet halt,

Wenn Willkür wütet, und das Recht ist tot,

dann Waffe, komm! sei Retter in der Not!

Dann, Waffe, triff: den Frieden zu erneun,

es gilt die Freiheit, oder Nichtmehrsein!

- Und dann - sei Waffenübung wieder Spiel

das Scheibenschwarze und das Weidwerk Ziel!

-Ich bin  kein Ungeheuer, kein Rebell!

Ein Mann und Bürger bin ich nur, der Tell!

 

Im militärischen Bereich finden sich in der Kriegsgeschichte bis ins 17. Jahrhundert hinein immer wieder Hinweise auf Meisterschüsse der Armbrustschützen' welche das Kriegsgeschehen massgeblich beeinflussten. Diese Leistungen konnten aber nur deshalb erbracht werden, weil diese Schützen ihr ständiges Training sehr ernst nahmen und mit dem Scheibenschiessen das Vertrauen zu Waffe und Munition (Pfeile) erhalten konnten. In der Stunde der Bewährung, welche über Leben oder Tod entschied, entfalteten unsere Vorfahren überlegene Kraft. Die Armbrust darf sicher als die erste Sportwaffe bezeichnet werden.

 

Das Schiesspulver

Wer hat denn eigentlich das Schiesspulver erfunden? Die Wissenschaftler wissen es auch nicht sicher. (Aus diesem Grunde ist vermutlich auch der Ausdruck entstanden «Der oder Jener, geistig etwas minder bemittelte, hat das Pulver auch nicht erfunden»)

Eine Begebenheit aus viel früherer Zeit gibt einen Hinweis. «Die Perser fielen 48J vor Christus unter König Xerxes in Griechenland ein und wollten den Schatz aus dem Tempel von Delphi «befreien». Da das Vorhaben in Delphi bekannt wurde, bereiteten die Mönche sich auf den Angriff vor. Der Oberpriester Aceratus beschwichtigte seine Diener und Landsleute mit der Prophezeiung: Zeus werde die Feinde mit seinem Donner zerschmettern!

Als die Perser wenig später durch einen Hohlweg schon in unmittelbarer Nähe der Tempelanlagen marschierten, gab es plötzlich einen gewaltigen Knall. Es blitzte, donnerte, rauchte und stank. Steine und Erdbrocken flogen durch die Gegend und wahrscheinlich auch ein paar Perser. Über den Rest der völlig verstörten Truppe machten sich die bereitstehenden Griechen her. Nur wenige Perser entkamen und berichteten ihrem König zitternd, wie die Götter der Griechen ihren Tempel beschützt hätten». (Überlieferung durch Herodot, den ersten systematischen Geschichtsschreiber)

Die Priester verrieten ihr Geheimnis nicht und blieben bei der Version des Zeus. Der Angriff der Gallier im Jahr 279 v.Chr. auf den gleichen Tempel wurde in derselben Weise abgewehrt. Hatten die Priester bereits Kenntnis von der Wirksamkeit der Mischung aus Holzkohle, Schwefel und Salpeter? Es blieb und bleibt ein Geheimnis!

 

Die Pulverrohre um 1400

Es ist nachgewiesen, dass bereits um 1350 erste Pulverrohre, sogenannte «Feuerteufel», als Angriffswaffen eingesetzt wurden.

Die grossen Siege der Eidgenossen gegen Burgund und im Schwabenkrieg (1499) wurden noch nicht mit der Schusswaffe, sondern mit Langspiess und Halbarte ausgefochten. Wohl setzte man damals schon Büchsenschützen, zwischen die Langspiesser eingereiht, in die Schlachtordnung ein, aus der sie dann rasch hervorbrachen, um durch ihre Salven den feindlichen Angriff zu stören. Die Zahl der Schützen machte indessen noch kaum den zehnten Teil der Infanterie aus. Ein Zürcher Mannschaftsrodel aus der Zeit des «alten Zürichkrieges» (1436 - 1450) nannte neben 2251 Spiessen und Halbarten und 458 mit Armbrust bewaffneten, nur 61 Büchsenschützen. Doch mehrte sich die Zahl der Letzteren von Jahrzehnt zu Jahrzehnt.

Die Entwicklung der Schusswaffen wurde aus der Notwendigkeit heraus, einem Gegner wirksam entgegentreten und ihn bezwingen zu können, stark gefördert. Diese Förderung erfolgte natürlich aus unterschiedlichen Motiven. Einerseits versuchten Aggressoren, zumeist Adelsherren, ihre Machtgelüste mit brutaler Gewalt durchzusetzen. Anderseits war es im Interesse der so Angegriffenen, sich mit bestmöglichen Mitteln zur Wehr zu setzen und sich zu verteidigen. Das Handrohr, das früheste Entwicklungsstadium, bestand aus einer hinten verschlossenen Eisen- oder Bronzeröhre, nur das Zündloch war offen und das Ganze an einem Holzpflock befestigt. Eine Zielvorrichtung war unbekannt, die Vorbereitung für das Schiessen eher beschaulich. Der Schütze musste zuerst das Pulver laden und dann die Kugel (~l7 mm) in den Lauf einführen. Nun musste das Ziel ins Auge gefasst, mit einer Hand das Rohr gerichtet werden, während die andere Hand die brennende Lunte in das Zündloch einführen musste.

Die Schleuderwirkung und der Rauch einer damit abgeschossenen Kugel erschreckte den Feind zwar, doch die Wirkung eines präzise abgefeuerten Pfeiles der Armbrust konnte lange nicht erreicht werden.

 

Die Büchsen

Der Lauf der Tanneberger Büchse war nur 28 cm lang und das Kaliber betrug 17 mm. 

Tanneberger Büchse - 8 kB

Die Technik des Pulverladens wurde rasch verbessert, man merkte bald, dass die Kugel, wenn diese schon geladen war, beim Transport der Waffe durch das feine Pulver nach unten gerüttelt wurde und dann beim Abschuss der ganze Feuerstrahl aus dem Rohr trat, die Kugel aber bestenfalls noch aus dem Lauf hintennach rollte. Es musste deshalb mit Pfropfen gearbeitet werden, einer nach der Pulverfüllung und den zweiten nach dem Einführen der Kugel, damit ein entsprechender Innendruck überhaupt aufgebaut werden konnte. Die Kugel selber konnte den Lauf nicht abdichten, wie dies unsere modernen Geschosse tun. Im Laufe des 14. Jahrhunderts tauchten vereinzelt solche Handrohre als Hinterlader auf, dabei wurde die Ladung von hinten eingeschoben und mit einem Keil verriegelt. Da diese Ladekammer jedoch des öfteren ebenfalls weggeschleudert wurde, kehrte man gerne zum Vorderlader zurück, obwohl auch hie und da ein Laufkrepierer in Kauf genommen werden musste wegen der unsicheren Pulvermenge.

Die Hakenbüchse wurde entworfen, um die Wirkung des Rückstosses aufzufangen. 

Hakenbüchse - 8 kB

Im vorderen Teil des Laufes war ein starker Haken angebracht, welcher an einer Mauer oder einem Holzbock eingehängt werden konnte und so den Rückstoss verhinderte. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurden die Hakenbüchsen verbessert. Ähnlich der längst üblichen Schäftung der Armbrust, welche das Einziehen der Waffe in die Schulter gestattete, wurden auch die Büchsen ausgestattet. Das bisher oben auf dem Lauf befindliche Zündloch wurde an die Seite verlegt und davor kam, wie ein kleiner Balkon, eine Pfanne für das «Zündkraut» das speziell feine Pulver, welches die Ladung im Lauf entzünden musste. Über der Pfanne wurde ein Deckel angebracht, welcher das wegblasen durch den Wind verhinderte und vor Regen schützte. Ganz Vorsichtige brachten noch einen «Feuerschirm» an, welcher die Augen vor der auf der Pfanne hochpuffenden Stichflamme schützen sollte.

Die Pulvermischung aus Holzkohle, Schwefel und Salpeter, welche in Fässern auf den Kriegszügen nachgeführt wurde, trennte sich durch das Schütteln auf den rumpelnden Karren in seine Bestandteile. Die feine Holzkohle hüllte die Mannschaft in schwarzen Nebel und dann genügte manchmal ein kleiner Funke eines Pferdehufes um die ganze Fuhre mit Donnerschlag in die Luft zu jagen. Um 1450 verfiel man daher auf die Idee, das Pulver mit Wein oder Essig anzufeuchten, den «Teig» wieder zu trocknen und dann in der «Pulvermühle» zu malen. Diese so entstanden Granulatkörner waren wesentlich homogener.

 

Das Luntenschlossgewehr um 1500

Tüftler und Bastler arbeiteten an den Waffen: Als eines der ersten Probleme, die es zu lösen galt, war das mühsame Zuführen der Lunte an das Zündkraut zu vereinfachen, welches einfach nicht mit blinder Hand ausgeführt werden konnte. Die ersten Luntenschlösser hatten deshalb einen Hebel, in welchem die Lunte eingeklemmt wurde. Der Hebel selber war mit einer Feder in der ausgeschwenkten Stellung arretiert, um ein ungewolltes Zünden zu verhindern. Um den Schuss auszulösen, musste am Hebel gegen die Feder gedrückt werden bis die Lunte auf der Pfanne das Kraut berührte. Dies konnte bereits mit blinder Hand ausgeführt werden. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts kehrte man die Feder um, sodass die Lunte schlagartig ausgelöst werden konnte: der Abzug war geboren! Die Waffe war bereits geschäftet und erhielt dadurch äusserlich die Form eines Gewehres. Nachdem der Schaft in einen Hals verengt wurde, liess dieser den festen Griff der Waffe besser zu. Dass man ein solches Gewehr im Notfall auch umkehren konnte, um den Schaft als Schlagwaffe zu gebrauchen ist mit dem Zusatznamen «Schiessprügel» genügend beschrieben.

Luntenschloss - 14 kB

Die Handhabung dieser Waffen war trotzdem nicht ungefährlich: Die Lunte durfte keinesfalls vor dem Laden am Hebel befestigt werden. Die Gefahr war gross, dass das Zündkraut aus der Pfanne verschüttet oder zu wenig nahe am Zündloch lag. Vor dem Montieren musste dann die Lunte noch frisch angeblasen werden, damit sie richtig glühte. Die Waffen waren schwer und zum Zielen brauchte man eine Stützgabel, so verstrich viel Zeit bis der Schuss ausgelöst werden konnte, falls der Feind dann überhaupt noch in erreichbarer Nähe sichtbar war. Die brennende Lunte verriet ausserdem den Angreifer in der Nacht - das Leuchten konnte weithin gesehen werden- deshalb wurde diese im «Luntenverberger» mitgetragen einer kleinen Metalldose mit Luftlöchern, denn erlöschen lassen konnte man die Lunte auch nicht. Die glimmende Lunte konnte vom Feind auch gerochen werden, daher der Ausdruck «Lunte riechen»! Beim sportlichen Schiessen im Stand spielte dies alles natürlich keine Rolle, einzig die Gefahr, dass ein Schuss ungewollt losbrechen konnte, war auch da vorhanden. Manchmal ging ein Schuss auch gar nicht los, weil das Zündloch durch Ablagerungen des verbrannten Pulvers verstopft war, sodass dieses zuerst mit einer «Räumnadel» durchstossen werden musste. (Ähnliche Probleme treten ja heute wieder beim Sturmgewehr 90 auf) Allerdings liess die Treffsicherheit sehr zu wünschen übrig, da die Kugeln zwangsweise eben etwas kleiner als der Laufdurchmesser waren und beim Austrieb wild hin und her geschlagen wurden.

Die Muskete um 1600

Eine wichtige Entwicklung war die Muskete, welche etwas leichter gebaut wurde aber technisch noch auf dem gleichen Stand verblieb. Der «Musketier», also der Krieger musste seine Munition selber giessen dazu hatte er eine eiserne Kugelzange, das «Model». Seine Ausrüstung umfasste einen Kugelsack, die Pulverflasche oder das Pulverhorn (teilweise mit Dosiervorrichtungen) und ein separates Fläschchen für das feine Zündpulver oder «Zündkraut». Später wurden die einzelnen Ladungen in vorabgefüllten Büchslein an einem Bandelier mitgetragen. Lunte und Luntenverberger, Wischzeug sowie ein Fläschchen Oel zum Reinigen und Oelen der Waffe und natürlich ein Schwert oder Degen gehörten mit auf den Mann. In vielen Exerziervorschriften taucht der Satz auf «Kugel aus dem Mund» und «Pfropfen vom Hut». Daraus ist zu schliessen, dass der Schütze die Kugel aus dem Kugelbeutel hervorkramte und in den Mund steckte, ebenso steckte er sich den Pfropfen, der am Schluss vor die Kugel gestopft wurde, an den Hut. So hatte er beides griffbereit, da er sonst buchstäblich beide Hände voll hatte mit der Muskete, Stützgabel, Lunte, Pulverhorn und Pulvermass für das Zündkraut.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden einzelne Gewehrläufe mit Zügen ausgerüstet, zuerst mit geraden, später mit gewundenen. Die Trefffähigkeit konnte damit gesteigert werden, dies vor allem zum Vorteil des freiwilligen zivilen Schiessens auf Scheiben. Es wurden eigentliche «Zielbüchsen» hergestellt, welche mit raffinierten Zielvorrichtungen ausgerüstet waren. Daneben blieben die eigentlichen Kriegswaffen, die «Reismusketen», noch lange äusserst primitiv in ihrer Ausrüstung. Ein gewisser Neid der weniger bemittelten Bürger war da nicht zu vermeiden, wenn die «feinen Herren» mit Prunkwaffen auf den Schiessplätzen erschienen.

Waffen unserer Gründer um 1595

Um die Gründungszeit des Schiessvereins hatten die Wehrpflichtigen Männer von Pfäffikon im Rahmen der Kontingente der Landvogteien Kyburg und Greifensee dem Zürcher Heer zu dienen.

Nach der Musterung von 1584-86 rückten aus Pfäffikon 37 Mann ein, davon 9 Mann mit Gewehren, 17 mit langen Spiessen, 10 mit Halbarten und einer mit einer Streitaxt. Davon besassen 21 Mann eine vollständige Rüstung, der Rest schützte sich lediglich mit einer Sturm- oder Beggelhube.

Die Zahl der Spiess- und Halbarten-Träger verminderte sich vorerst nur langsam zu Gunsten der Schützen, denn die Gewehre mussten mit eigenen Mitteln erworben werden. Noch 1679 waren von den 2589 Infanteristen des Turbenthaler Quartiers, dem die Pfäffiker zu jener Zeit angehörten, nur etwas mehr als die Hälfte mit Schusswaffen ausgerüstet. Etwa Ende des 17. Jahrhunderts verschwanden dann aber die alten Hieb- und Stichwaffen.

Die Gründung des Schiessvereins erfolgte zweifellos durch jene wenigen Gewehr- bzw. Büchsenschützen, welche an anderer Stelle bereits erwähnt sind. Zu ihrer militärischen Ausrüstung gehörte die Muskete oder «Reisbüchse». Dies bestätigt eine Vorschrift der Obrigkeit, welche schon 1550 anordnete, «dass alle Schützen auf der Landschaft fürohin um ihre Gaben allein mit der Reisbüchsen schiessen, da nämlich die Rohr ohne den Schaft nit länger denn 4 Werkschuh und die kürzesten nit weniger als 3 1/2 Werkschuh sein dürfen. »

 

Das Radschloss

Ein Tüftler aus Nürnberg erfand das erste Radschloss. Ein geriffeltes Stahlrädchen konnte auf seiner Achse mit einer Feder vorgespannt werden. 

Radschloss - 12 kB

Mit dem Abzug wurde die Arretierung gelöst und das Rädchen drehte sich vielleicht dreiviertel Umdrehungen. Es berührte dabei mit jedem Zahn einen Feuerstein, ein Pyrit oder Schwefelkies, dessen entstehende Funken direkt auf die Zündpfanne geschleudert wurden. Jetzt war der Schütze unabhängiger von der Witterung, die gefährlich brennende Lunte konnte entfallen. Um das Rädchen «aufzuziehen», wurde ein spezieller Schlüssel verwendet, zu welchem auch wieder Sorge getragen werden musste. Nachteil dieser Einrichtung war der rasche Verbrauch des Zündsteines und das Rädchen war bald mit verbrannten Pulverresten bedeckt, dass es keine Funken mehr warf. Das ganze Schloss war sehr empfindlich und musste ständig gut geschmiert sein. Der Preis der Waffe war hoch, weshalb nur kleine Heereseinheiten wie die Reitertruppe damit ausgerüstet werden konnten. Mit dem Aufkommen der Radschloss- Gewehre ging ein eigentlicher Waffenkult einher, es wurden viele Waffen wundervoll verziert. Diese Art der Gewehre konnte auch für die Jagd verwendet werden, dabei ging es schon damals nicht bloss um das Ziel der Beute, die Waffe musste auch präsentieren und den Besitzer ehren. Ungeachtet der Schönheit der Waffen, musste immer noch mit Pfropfen von vorne geladen werden. Bei den Jagd- und Standwaffen waren die Läufe bereits mit Zügen versehen, die Treffsicherheit also verbessert. Die Kampfwaffen hatten jedoch immer noch glatte Läufe und die Wirkung liess auch sehr zu wünschen übrig. Dies zeigt eine Episode aus dem 30 jährigen Krieg (1618 - 1648): H.J. Christoph v.Grimmelshausen erzählt in seinem aus persönlichem Erleben gestalteten Roman «Der abenteuerliche Simplizissimus»: Der Held der Geschichte marschiert mit einem «guten Feuerrohr» auf der Schulter die Landstrasse entlang, als er von einem Wegelagerer angefallen wird. «Wie ich nun seinen Ernst spürete, zog ich den Hahnen über, schlug an und traf ihn dergestalt an die Stirn, dass er herumturmelte und endlich zu Boden fiel». Als er sich nach langem Ringkampf mit dem Strassenräuber, einem früheren Kampfgenossen, ausgesöhnt hat, stellt er fest: «Er hatte von meinem  Schuss eine grosse Beule an der Stirn». Dies also der Beschrieb eines Kopfschusses!

 

1600 - 1700  

Die Weiterentwicklung konnte nicht aufgehalten werden. Mit der Erfindung des Steinschlosses wurde die nächste Etappe eingeläutet.

Steinschloss - 18 kB

Wieder gaben politische Gründe den Anstoss für die neue Erfindung, Die Holländer wehrten sich gegen das mächtig gewordene Spanien und mussten zu diesem Zweck unbedingt eine bessere Ausrüstung mitbringen. (Die Erfindung wurde um 1580 in Holland gemacht) Das Prinzip des Steinschlosses: Ein Feuerstein war am  Hahn befestigt und schlug beim Auslösen gegen eine feilenartig gerauhte Metallfläche oberhalb der Pulverpfanne. Die Mechanik war so ausgereift, dass der Deckel der Pfanne mit dem Zündkraut erst unmittelbar vor dem Anschlagen beziehungsweise Funkenwurf des Feuersteines geöffnet wurde. Das ganze nannte man «Batterie», damit die Waffe gefahrlos im geladenen Zustand herumgetragen werden konnte, war für den Hahn eine «Ruhrast» möglich, bei welcher die Pfanne noch geschlossen, die Feder des Hahnes jedoch fast entspannt war. Erst unmittelbar vor dem Schuss musste der Hahn dann «übergezogen» werden, damit er in der «Spannrast» eingehängt wurde. Die Steinschlossgewehre waren sehr schwer, 4 - 6 kg, und 1,4 - 1,6 Meter lang, das Kaliber schwankte zwischen 16,5 und 20 mm.

Steinschlossgewehr mit <<Papier>>-Patrone - 16 kB

Das verwendete Zubehör, der Ladestock und die Visiervorrichtung, waren zu dieser Zeit noch wenig entwickelt. Erst um 1718 wurde in Preussen der eiserne Ladestock eingeführt, bisher war dieser aus Holz, sein Aufbewahrungsort war unter dem Lauf in einer Bohrung der Schäftung. Eine Visiervorrichtung nützte wegen der grossen Streuung der Kampfwaffen eigentlich nichts, diese wurde deshalb nur bei den Standbüchsen langsam entwickelt. Die Verwendung einer «Papierpatrone» liess die Ladegeschwindigkeit im Kampf wesentlich verbessern. Die im vorderen Teil eingebundene Kugel wurde mit den Zähnen abgebissen und das Pulver aus der nun offenen Tüte in das Rohr eingefüllt. Mit den Papierresten konnte der Zapfen vor und nach der Kugel gebildet werden.

 

1768

Die Entwicklung des Steinschlossgewehres mit Zügen, die «Standbüchsen», ermöglichte dem Zürcher Hauptmann Salomon Landolt die Schaffung einer freiwilligen Spezialtruppe. «Die Scharfschützen» Truppe wurde 1768 gegründet und 1770 in fünf freiwilligen Jäger- oder Schützenkompanien à je 100 Mann eingeteilt. Die Rekrutierung erfolgte sorgfältig nach der Tüchtigkeit der Schützen, auch aus Pfäffikon waren mehr als ein Dutzend Schützen dabei. Mit diesen Waffen war die Treffsicherheit auf 300 m schon kein Zufall mehr. Mit der neuen Militärorganisation von 1818 erhielten die Scharfschützen offiziellen Einzug in die Armee und wurden nun mit dem Schweizerischen Feldstutzer 1818 ausgerüstet. Die Kugel von 17 mm wurde im Lauf von 16 gewundenen Rundzügen geführt. Der Schaft hatte einen Pistolengriff und Backenstütze.

 

Übergang zum P e r k u s s i o n s - S c h l o s s

Das Problem der Pulverpfanne veranlasste viele Tüftler nach einem besseren System zu suchen. Schon Ende des 18. Jahrhunderts entdeckte man, dass gewisse chemische Stoffe explodieren können. Chlorsaure Salze konnten durch harten Aufschlag zur Zündung gebracht werden. So wollte man damit das Pulver ersetzen, dies war aber fehlgeschlagen. Die Möglichkeit damit die Pulverladung zu zünden, wurde von verschiedenen Forschern ohne grossen Erfolg ausprobiert. Wegweisend waren die Experimente des Schotten Alexander Forsyth, (1768 - 1843) welcher 1809 ein Patent für seine Schlosskonstruktion erhielt. Forsyth verwendete ein fortlaufendes Zündband, wie sie Jahrmarktpistolen verwenden.

 

1818

Josef Egg erfand in England das Zündhütchen und legte damit den Grundstein für unsere heutige Munition. Egg verwendete dazu Knallquecksilber, füllte dieses in ein kleines Kupferhütchen, welches dann mit etwas Schellack verschlossen wurde. Das Hütchen stülpte er über einen »Piston», der der Länge nach durchbohrt und seitlich (an Stelle des Zündloches) in den Lauf eingeschraubt war. Der herunterschnellende und geänderte Hahn schlug nun auf das Zündhütchen, brachte dieses zur Explosion, was eine Stichflamme durch den Piston auslöste und so die Pulverladung zündete. Die Perkussions- Zündung war erfunden. Die bisherigen Steinschlosswaffen konnten auf das neue System umgebaut werden. In der Schweiz erfolgte die Einführung der neuen Waffen und der Umbau der Steinschlossgewehre 1842.